Die Spinalganglienstimulation ist ein neues Verfahren der Nervenstimulation, mit dessen Hilfe sich chronische Schmerzen lindern lassen. Ein modernes diagnostisches Verfahren ermöglicht zunächst exakt den Nerven ausfindig zu machen, der nach einem operativen Eingriff oder Unfall verletzt ist und dauerhaft massive Schmerzsignale aussendet. Ist der Nerv identifiziert, platzieren wir eine neuartige Elektrode exakt im Spinalganglion. Sie sendet ein elektrisches Signal aus, das die Schmerzweiterleitung reduziert oder ganz verhindert, bevor es über das Rückenmark an das Gehirn geleitet wird. Bereits behandelte Patienten geben eine Schmerzreduktion von durchschnittlich 78% an.

Die Suche nach dem den Schmerz verursachenden Nerven
Bisher war die größte Herausforderung in der Neurostimulation, den betroffenen Nerven und die den Schmerz weiterleitenden Nervenbahnen genau zu identifizieren. Diese Nerven sind für den chronischen Schmerz des Patienten ursächlich. Damit genau dieser Nerv gefunden wird, haben wir spezielle diagnostische Standards entwickelt. Wir betäuben nacheinander infrage kommende Nerven, die ursächlich für die Weiterleitung des Schmerzsignals vom verletzten Nerv in das Gehirn sind. Wurde der richtige Nerv gefunden, ist der Patient für eine kurze Zeit nahezu schmerzfrei. Mit Hilfe der Spinalganglienstimulation hat der Patient jetzt gute Chancen, dauerhaft seine chronischen Schmerzen deutlich zu reduzieren.

Einsatz des Neurostimulators
Mit Hilfe einer kleinen Operation platzieren wir eine dünne Elektrode an der Nervenwurzel der Wirbelsäule. Der Axium™-Neurostimulator ist ein Rückenmarkstimulator, der auf eine Abzweigung des Rückenmarks abzielt, die auch als Spinalganglion bezeichnet wird. Neurowissenschaftler wissen schon seit langem, dass das Spinalganglion bei der Schmerzverarbeitung eine zentrale Rolle spielt. Bisher war es technisch jedoch nicht möglich, diese Position mit einer Elektrode zu erreichen. Die neue Methode schafft Abhilfe: Das Spinalganglion funktioniert dabei wie eine Ampel und kontrolliert, wann Empfindungen zum Rückenmark gelangen. Durch die Stimulation des Spinalganglions kann die Ampel auf Rot geschaltet werden, so dass Schmerzsignale gestoppt werden und nicht zum Gehirn gelangen. Diese Stimulation bewirkt ein angenehmes Kribbeln, das sich wie eine leichte Massage anfühlt. Dieses Gefühl wird als „Parästhesie“ bezeichnet. Unsere Patienten können die Parästhesie selbst so steuern, dass dieses Kribbeln leicht oder gar nicht zu spüren ist, und zwar in dem Bereich in dem sie sonst den Schmerz empfinden.

Implantation des „Schmerzschrittmachers“ schafft dauerhafte Linderung
Nach der Implantation der Elektrode testet der Patient in den folgenden Tagen aus, ob die Elektrostimulation den erwünschten Effekt auf die Schmerzen hat. Die Stromversorgung in der Testphase übernimmt eine kleine externe Batterie. Nach einer einwöchigen Testphase entscheidet der Patient zusammen mit seinem behandelnden Arzt über die Implantation des sogenannten Schmerzschrittmachers für die dauerhafte Stromversorgung. Dieses kleine Gerät ähnelt einem Herzschrittmacher. Das Gerät erzeugt sanfte elektrische Impulse, die in das Spinalganglion gelangen.

Krankenkassen übernehmen die Kosten
In Frage kommt diese neue Therapieform, deren Kosten bei entsprechender Indikation von den Krankenkassen übernommen wird, für eine Vielzahl von Patienten mit Nervenschmerzen. Äußerst erfolgreich behandelt haben wir Patienten mit chronischen Leistenschmerzen nach Leistenbruchoperationen oder anderen operativen Eingriffen. Auch bei Nervenverletzungen in Armen und Beinen oder bei Morbus Sudeck, nach Unfällen, komplexen regionalem Schmerzsyndrom oder Formen der Neuralgie zeigen sich große Vorteile gegenüber bestehenden Behandlungsverfahren.

Dr. Gerhard Deynet
Chefarzt Schmerztherapie und Palliativmedizin
Klinik Püttlingen


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